Es gibt diesen Moment. Vielleicht kennst du ihn.
Du wippst dein Kind in der Trage, das 5. Mal an diesem Tag. Dein Rücken schmerzt, du hast noch nichts gegessen, du bist noch immer am Nachmittag im Schlafanzug und dann kommt dieser Anruf: „Guten Tag Frau Schmid, Sie hätten heute einen Kinderarzttermin gehabt“ und du denkst nur einen einzigen Gedanken: Ich kann nicht mehr!
Nicht dramatisch. Nicht laut. Einfach still und erschöpft bis in die Knochen.
Mir ist das passiert. Ich habe angefangen, Termine zu vergessen. Wichtige Dinge. Das wäre mir vor dem Kind nie passiert – ich war organisiert, verlässlich, hatte alles im Griff. Plötzlich schaute ich in den Spiegel und erkannte mich kaum noch. Keine fünf Minuten für mich. Nicht mal zum Körper eincremen bin ich gekommen. Wenn ich mal kurz Pause hatte, fühlte sich trotzdem alles gehetzt an – schnell schnell, bevor das Kind wieder wach wird, bevor wieder jemand etwas braucht.
Das Zuhause blieb liegen. Ich selbst blieb auf der Strecke.
Und das Schlimmste? Ich dachte, ich bin das Problem.

Du bist nicht schwach. Dein Nervensystem ist überlastet.
Was du fühlst hat einen Namen – und einen biologischen Grund. Dein Körper reagiert genau so, wie er es soll. Nur leider in einer Situation, für die er ursprünglich nicht gebaut wurde.
Unser Nervensystem kennt im Grunde zwei Modi:
Gas – der Sympathikus. Alarm, Aktion, Stress. Perfekt wenn ein Säbelzahntiger kommt. Oder wenn das Baby schreit, die Waschmaschine läuft, der Partner fragt was es zum Abendessen gibt und du gleichzeitig versuchst eine E-Mail zu schreiben.
Bremse – der Parasympathikus. Erholung, Verdauung, Regeneration. Der Modus in dem dein Körper sich repariert, dein Gehirn sortiert, du wieder du selbst wirst.
Das Problem: Viele Mamas leben monatelang, manchmal jahrelang, fast ausschließlich im Gas-Modus. Der Körper bekommt kein Signal dass die Gefahr vorbei ist – weil sie nie wirklich vorbei ist. Immer ist jemand da. Immer wird etwas gebraucht.
Was das mit deinem Gehirn macht
Hier wird es interessant – und vielleicht auch ein bisschen erleichternd.
Wenn dein Nervensystem dauerhaft im Alarmmodus ist, schaltet dein präfrontaler Kortex – also der Teil deines Gehirns der für Planung, Entscheidungen und Gedächtnis zuständig ist – buchstäblich runter.
Das ist keine Metapher. Das ist Neurobiologie.
Termine vergessen? Gedankenlücken? Das Gefühl deinen eigenen Namen kaum noch zusammenzubringen? Das ist kein Versagen deinerseits. Das ist dein Gehirn im Überlebensmodus – es spart Energie für das Wesentliche und lässt alles andere fallen.
Studien zeigen außerdem, dass chronischer Stress den Cortisolspiegel dauerhaft erhöht. Cortisol ist kurzfristig sinnvoll – es mobilisiert Energie. Langfristig aber erschöpft es deine Nebennieren, stört deinen Schlaf (den du sowieso kaum bekommst), und verstärkt genau das Gefühl von Leere und Gereiztheit das du kennst.
Dein Körper schreit nicht weil er schwach ist. Er schreit weil er schon so lange so viel trägt.
Dein Körper schreit nicht weil er schwach ist. Er schreit weil er schon so lange so viel trägt.
Und warum Selbstfürsorge-Tipps dann nicht helfen
„Mach doch einfach mal Yoga.“
„Gönn dir einen Abend für dich.“
„Fünf Minuten Atemübung am Morgen verändern alles.“
Ich kann diese Sätze nicht mehr hören. Und du wahrscheinlich auch nicht.
Nicht weil sie falsch sind. Sondern weil sie voraussetzen, dass du noch eine Reserve hast aus der du schöpfen kannst. Dass du nur ein bisschen Anlauf brauchst.
Aber was wenn der Tank wirklich leer ist? Was wenn selbst der Gedanke an eine Atemübung sich nach noch einer Aufgabe anfühlt?
Dann brauchst du keinen weiteren Tipp. Du brauchst ein Verständnis dafür was in deinem Körper passiert – und einen Weg der dort ansetzt wo du gerade wirklich bist.
Nicht wo du sein solltest. Wo du bist.

Zwei kleine Dinge die sofort helfen – auch wenn du nicht mehr kannst
Kein Programm. Keine Routine. Nur zwei winzige Signale die deinem Nervensystem sagen: Die Gefahr ist vorbei.
1. Lange ausatmen
Nicht tief einatmen – das aktiviert eher den Sympathikus. Sondern: normal einatmen, und dann doppelt so lang ausatmen. 4 Sekunden ein, 8 Sekunden aus. Einmal reicht schon. Dein Vagusnerv registriert das sofort.
2. Hände unter warmes Wasser
Klingt banal. Ist aber physiologisch wirksam – Wärme an den Händen signalisiert dem Nervensystem Sicherheit. Einfach beim Händewaschen bewusst 30 Sekunden bleiben. Fühlen statt funktionieren.
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